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Treblinka Bericht 2018

Vorweggenommen gilt unser ausdrücklicher Dank den großzügigen Sponsoren dieser Gedenkstättenfahrt, der Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt und dem IBB-Dortmund.

 

„Fahrt nach Treblinka! Schaut, wie die Zeit dort stillsteht. Lauscht der stehengebliebenen Zeit, dem donnernden Schweigen der Toten, den Steinen, Abbilder menschlicher Silhouetten, welche in der Leere weinen.“ (aus dem Gedicht „Fahrt nach Treblinka“ von Halina Birenbaum, 1986)

In dem Zeitraum vom 14. September 2018 bis zum 18. September besuchten wir, eine Gruppe von zehn Schülerinnen und Schülern mit zwei Lehrern des Burger Roland-Gymnasiums, die Gedenkstätte Treblinka.

Treblinka ist ein ehemaliges Arbeits- und Vernichtungslager, in welchem ca. 900.000 Menschen gezwungen waren, zu sterben. Das Lager bestand aus zwei Teilen; dem Arbeitslager (Treblinka I) und dem Vernichtungslager (Treblinka II), welche im Zuge der „Aktion Reinhardt“ errichtet wurden. Treblinka befindet sich rund 80 Kilometer nordöstlich von Warschau und wurde aufgrund seiner Lage in einem Wald von einem der nur 64 Überlebenden „Die Hölle mit dem grünen Zaun“ genannt.

Den ersten Tag unseres Besuches in Treblinka verbrachten wir mit dem Sammeln von ersten Eindrücken und Informationen während der Besichtigung des 17 Hektar großen Geländes. Großer Dank gilt dabei dem polnischen Dolmetscher und Experten Herrn Dr. E. Sulek, welcher uns während der gesamten Fahrt begleitete und damit das Begleiterteam um Frau Schindler und Herrn Sieber komplettierte. Wir begannen unsere Besichtigung an der Nachbildung der Gleise, auf welchen früher die Viehwagons mit deportierten Juden eintrafen. Hauptsächlich kamen diese aus dem Warschauer Ghetto. Von den Gleisen aus traten wir unseren 2,5 Kilometer langen Weg in Richtung Treblinka I, dem ehemaligen Arbeitslager, an. Dieser Teil des Geländes bestand zum damaligen Zeitpunkt aus vielen Baracken, welche zu unterschiedlichen Zwecken genutzt wurden.  Außerdem befand sich dort die Kiesgrube, welche den größten Teil von Treblinka I ausmachte. Sie wurde von den dort kasernierten Menschen von Hand ausgehoben. Dort wurden wir das erste Mal mit den Dimensionen des Lagers konfrontiert und waren alle von dessen Ausmaßen schockiert.  Wir setzten unsere Besichtigung in Richtung des Mahnmals, welches sich am Standort der ehemaligen Gaskammern befinden soll, fort. Mit Erreichen des Geländes blickten wir auf 17.000 verschiedene Steine und das bereits erwähnte Mahnmal. 17.000 individuelle Steine für den Verlust von 17.000 individuellen Menschenleben, die an einem „guten“ Tag vernichtet werden konnten. Eine unvorstellbar große Zahl. Manche der Steine tragen eingravierte Namen, Städte oder Länder. Herr Sulek wies uns auf den Gedenkstein des polnischen Nationalhelden Januz Korczak hin, der freiwillig mit 200 jüdischen Waisenkindern in den Tod ging. Auch vor dem Mahnmal befand sich ein großer Stein mit den Worten „Nie wieder!“ in sieben verschiedenen Sprachen. Besonders berührten uns die vielen Kerzen und Sträuße vor dem Mahnmal. Ebenfalls auf diesem Gelände befand sich ein künstlerisches Denkmal aus Basalt zur Erinnerung an die dort verbrannten Leichen. Teile des Geländes wurden von einem Banner mit den Namen von Verstorbenen durchzogen. Von diesen Eindrücken überwältigt, besichtigten wir das nahe gelegene Museum, in welchem auf dem Gelände entdeckt Fundstücke ausgestellt sind.

Am 16. September traten wir eine Reise nach Warschau an, um das Polin-Museum zu besichtigen. Dort konnten wir die gesamte Geschichte des Judentums in Polen nachvollziehen. Die Ausstellung war sehr beeindruckend, da die Geschichte dieser Religion durch viele visuelle und auditive Eindrücke hautnah dargestellt wurde. Direkt vor dem Museum steht das Denkmal des Warschauer Ghetto-Aufstandes. Dieses befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen Ghettos, aus dem die Menschen nach Treblinka deportiert wurden.

Montag beschäftigten wir uns genauer mit den Opfern, ausgewählten Tätern, dem Aufstand am 2. August 1943 und weiteren Quellen. Nachdem wir nun viele neue Eindrücke und Informationen aufgenommen hatten, sahen wir uns erneut auf dem Gelände des Lagers um. Dieses betrachteten wir nun aus einer neuen Perspektive, was uns erneut sehr nachdenklich stimmte, da sich die erste Erschließung des Geländes mit einem Spaziergang durch einen Wald vergleichen ließ und nur subtil das Elend und Leid der Getöteten erahnt werden konnte.

Am Morgen des 18. Septembers traten wir unsere lange Heimreise mit vielen nachhaltigen Eindrücken an.

„Fahrt nach Treblinka! In allen Generationen – lasst sie nicht allein!“ (Helina Birenbaum, 1986)

 Verfasst von Elisa und der Projektgruppe Treblinka

 

 

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